Monate nach dem Einbruch in die Luxus-Überbauung «7 Heavens» in Zermatt kommen neue Details ans Licht. Ein Experte spricht über das Täterprofil und die Chance auf eine Rückkehr der Beute.
Einschätzung der Indizien: Raschèr sagt, es sei zum jetzigen Zeitpunkt zwar spekulativ, da offizielle Bestätigungen aus ermittlungstaktischen Gründen fehlen, doch die Indizien würden ein eindeutiges Bild zeichnen: «Die zeitliche Nähe zum Einbruch im 7 Heavens und die enorme Höhe der Belohnung deuten massiv darauf hin, dass es sich um diesen Fall handelt.»
Das Täterprofil – organisierte Netzwerke: Zum Täterprofil sagt Raschèr: «Hier sprechen wir mit grosser Wahrscheinlichkeit von organisierten Netzwerken. Diese Kunstwerke sind auf dem legalen Kunstmarkt
Die Identität der Opfer – strukturelle Probleme: Die Identität des Opfers bleibt offiziell geheim, um die Vertraulichkeit des Sammlers zu wahren. Raschèr sieht hier ein strukturelles Problem: «Ein exklusives Chalet bietet oft nicht den mechanischen Schutz eines Museums. In solchen Residenzen herrscht oft ein Konflikt zwischen Ästhetik und Sicherheit. Niemand möchte Gitter vor den Fenstern.» Der Diebstahl passe in ein bekanntes Muster. Kriminelle Netzwerke würden gezielt Orte aufsuchen, an denen hohe Werte bei vergleichsweise geringer Sicherung zu finden seien. «Wie wir bereits beim Bührle-Raub in Zürich gesehen haben, versuchen Täter oft, die Prominenz der Werke für ihre Zwecke zu nutzen, stellen aber schnell fest, dass der öffentliche Druck massiv ist.» Dazu sei es nicht überraschend, dass ein solcher Kunstraub womöglich in Zermatt verübt worden sei. «Im Oberwallis gibt es sehr hochklassige Zweitresidenzen, die teilweise unschätzbare Kunstsammlungen beherbergen», sagt Raschèr. Damit dieser Fall aufgeklärt werde, müsse meist ein Vertrauensbruch im Umfeld der Täter provoziert werden. «Wenn der Druck der Polizei hoch ist und gleichzeitig das Angebot der Versicherung lockt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand auspackt», sagt Raschèr.
Chance auf Rückkehr? «Gar nicht so schlecht»: Zur Rolle der Versicherer sagt Raschèr, dass sie oft im Hintergrund agieren und private Ermittler mandatieren. Der entscheidende Punkt sei: Ein Versicherer dürfe kein Lösegeld an Verbrecher zahlen, das wäre Beihilfe zu einer Straftat. «Eine Belohnung hingegen ist ein legales ziviles Werkzeug. Die Versicherung bezahlt nicht für den Diebstahl, sondern für den entscheidenden Hinweis, der zur Sicherstellung führt.» Dies sei ein wichtiger juristischer Unterschied, der es ermögliche, legal Geld fliessen zu lassen, um die Kunst zu retten. Raschèr ist überzeugt, dass die Chance auf eine Rückkehr langfristig gar nicht so schlecht ist. Oft würden Werke nach Jahren wieder auftauchen, wenn der Verfolgungsdruck nachlasse. Eine hohe Belohnung beschleunige dies oft, birgt aber laut Raschèr das Risiko von Trittbrettfahrern. «Schlimmstenfalls führt Zeitdruck dazu, dass Werke zerstört werden, um Beweise zu vernichten, wie es tragischerweise beim Fall Henry Moore in England vermutet wurde.»